Weissenfels-Zeitzer-Revier 1913

Chronik zur Chemiegeschichte am Standort Webau.

 

1855   Gründung der Sächsisch- Thüringischen AG für Braunkohlenverwertung (STAG) in Halle/Saale.

 

 

1855   Am 28.07. wird die Werschen- Weißenfelser- Braunkohlen AG gegründet.

 

 

1857 bis 1860  Dr. Eduard Rolle entwickelt in Gerstewitz einen kontinuierlich arbeitenden Schwelofen für Braunkohle.

 

 

1858 bis 1861  Aufbau der Schwelerei, Phosgen- und Paraffinfabrik Köpsen bei Hohenmölsen durch die Werschen- Weißenfelser Braunkohlen AG

 

 

1859 bis 1860  entsteht unter Carl Adolph Riebeck die Mineralöl- und Paraffinfabrik Webau/ Kreis Weißenfels-

Mineralöl- und Paraffinwerk Webau um 1865

1865   Beginn der Kerzenproduktion in Webau

 

1868   Hauptsitz der Riebeckschen Betriebe und Kohlegruben wird Halle/Saale

 

1870   Mit dem Aufbau einer Eisengießerei und Mechanischen Werkstatt werden in Webau die Voraussetzungen für eigene spezifische Produktionslinien geschaffen

 

1871   Riebeck führt in seinem Webauer Betrieb für seine Belegschaft eine Kranken- und Pensionskasse ein.

 

1878   Nutzung von Absorptionskältemaschinen zur Solekühlung im Kristallisationsprozeß von Paraffinmassen in Webau.

 

1881    Zum 30.06. erfolgt die Umwandlung des Familienunternehmens Riebeck in die Riebecksche Montanwerke AG.

 

1883   Am 28.01. stirbt C.A. Riebeck in Halle-

1886   Einführung der Blasendestillation unter vermindertem Druck durch KREY in Webau.

1890   Nutzung der Schwelgase zur Unterfeuerung der ROLLE -Öfen in Webau, Köpsen und Gerstewitz.

1897   Eröffnung der Bahnlinie Deuben-Großkorbetha mit Werksbahnanschluss für Köpsen und Webau. 1904/05 folgt der Anschluss für Gerstewitz.

1898   Einsatz von Schwelgasmotoren zum Antrieb von Generatoren zur Stromerzeugung in
den Riebeckschen Werken. Der Verwaltungssitz der Werschen- Weißenfelser- Braunkohlen AG wird von Weißenfels nach Halle/Saale verlegt.

1902   Inbetriebnahme der Schwelerei Neu-Gerstewitz.

1903   Nutzung von Kältekompressoren zur Solekühlung in Köpsen.

1904 bis 1906  Neuaufbau der Fabrik Gerstewitz etwa 1,5 km östlich des alten Standortes.

1905   In der zu den Riebeckschen Montanwerken gehörenden Wanslebener Montanfabrik
           wird  erstmalig in einer großtechnischen Anlage Rohmontanwachs hergestellt.

1910   Zum 01.01. wird die STAG (und damit Gerstewitz) durch die Riebecksche Montanwerke
           AG
übernommen.

1911   Einführung des Alkoholwaschverfahrens zur Aufarbeitung von Schwelteer in Webau.

1913   Einsatz der Porges- Neumann- Kühler zur Kristallisation von Paraffinmasse.            Nutzung des Trockenschwitzverfahrens zum Entölen von Paraffinen in Gerstewitz. 

1914   In Köpsen werden die ersten Gasgeneratorn zur Erzeugung von Gas für die Befeuerung
          der Schwelöfen und Blasen eingesetzt.

1925/1926 Einflußnahme der BASF bzw. der IG Farben auf die weitere Produktionsentwicklung           in Webau und Gerstewitz.

1925   Erstmalige Einführung der Selektiventölung von Paraffinschuppen mittels Alkohol/Benzol zeitgleich in Gerstewitz und Köpsen

1938   Die Werschen-Weißenfelser-Braunkohlen AG und damit Köpsen, wird in den Verband der Anhaltinischen Kohlenwerke übernommen. Die Betriebe in Webau und Köpsen sind damit der größte Kerzenproduzent in Deutschland.

1944 bis 1946 Bau der ersten in Deutschland kontinuierlich arbeitenden Rohrofendestillationsanlage für Teer in Köpsen. Neuaufbau einer Kokungsdestillation.

1945   Am 12.04. besetzen amerikanische Truppen die drei Werke. Am 01.07. wechselt die Besatzungsmacht, Sowjetische Truppen übernehmen die von Kriegseinwirkungen verschonten Betriebsanlagen.

1946   Zum 15.11. werden Webau/Gerstewitz zur Staatlichen AG für Brennstoffindustrie „Smola“ und Köpsen zu „Maslo“ zugeordnet (damit sowjetisches Eigentum).

1948   Am 13.02. wird die Paraffinfabrik im Werk Köpsen durch einen Großbrand völlig zerstört. Es kommt zu einem Neuaufbau.

Mineralöl-, Paraffin- und Kerzenproduktion Webau um 1950
Kerzenverpackungen aus den Jahren 1950/1960
Kerzengießerei Webau um 1965
Bitumenblasanlage 1

1950   Alle drei Werke werden am 01.02. der SAG (Sowjetische AG) für Brennstoffindustrie „Synthese“ zugeordnet.

1952   Zum 01.05. erfolgt die Rückgabe aller drei Betriebe an die DDR. Neue Firmennamen: VEB Teerverarbeitungswerk Webau/Gerstewitz und VEB Teerverarbeitungswerk Köpsen.

1953   Die in Webau durch ein Großfeuer vernichtete Massenöldestilation und Benzindestillation erfahren keinen Neuaufbau.

1954   Errichtung einer Benzinfraktionierungsanlage in Köpsen.

1955   Am 01.01. erfolgt die Vereinigung der Werke in Gerstewitz, Webau und Köpsen zum VEB Paraffinwerk „Vorwärts“ Webau.

1957   Stilllegung der Paraffin- und Kerzenproduktion in Webau/Gerstewitz.

1958   Zuordnung des Werkes zur VVB Mineralöle und organische Grundstoffe.

1958 bis 1961 Stufenweiser Aufbau einer Fernwasserleitung aus der Saaleniederung         bei Weißenfels zu den drei Werksteilen. 

1960   Gemäß zentraler Weisung wird die Kerzenproduktion in Köpsen eingestellt.

1964   In Gerstewitz wird die Bitumenblasanlage 1 am 01.04. in Betrieb genommen.

1965   Mit dem Anschluss der neu erbauten Ferndampfleitung vom Industriekraftwerk Wählitz zu den drei Werksteilen werden die dortigen Kesselhäuser außer Betrieb genommen.

1966 bis 1972 Aufbau von Produktionsanlagen für bituminöse Spezialprodukte sowie        der Bitumenanlagen 2 und 3 in Gerstewitz. 

1967   Am 29.04. wird das neue Sozialgebäude in Köpsen seiner Bestimmung übergeben.

1969   Zum 01.01. wird der VEB Schmierstoffkombinat Zeitz mit integriertem Paraffinwerk            „Vorwärts“ Webau gebildet. Der Betrieb verliert seine juristische Selbständigkeit. 

1970   Die VVB Mineralöle wird zum 01.01.1970 aufgelöst und das Petrolchemische Kombinat (PCK) Schwedt mit den Kombinatsbetrieben Mineralölverbundleitung (MVL) Heinersdorf, Hydrierwerk Zeitz, Kombinat Böhlen und ab 1984 Wittol Wittenberg geschaffen. Das Paraffinwerk „Vorwärts“ Webau bleibt Betriebsteil im Kombinatsbetrieb Hydrierwerk Zeitz. Stilllegung der Schwelteerverarbeitung, Umstellung auf die Verarbeitung von Erdölgatschen und TTH- Zwischenprodukten aus Zeitz und Lützkendorf zu Paraffin. In Köpsen erfolgt die Inbetriebnahme einer zweiten Benzinfeinfraktionierungsanlage.

1972   Errichtung einer Produktionsanlage für den weißen Kohlenanzünder „Flammat“ in Köpsen.

1980/1981 Umstellung der Selektiventölung von Paraffinschuppen vom Lösungsmittelgemisch Aceton/Benzol auf Aceton/Toluol.

1984/1985 Die Bitumenblasanlagen 4 und 5 werden in Betrieb genommen

Parax Versuchsanlage 1997
Bitumenwerk Koepsen 1998
Bitumenblasanlage 2005

1990   Am 11.05. erfolgt der Dauerbetrieb der Benzinpipeline „Leuna- Webau“. (Außerbetriebnahme am 31.12.1993)

1990   Nach Entflechtung des PCK Schwedt und seiner Kombinatsbetriebe mit der politischen Wende in der DDR kommt es am 01.06. zur Bildung der Paraffinwerk Webau GmbH.

1990 bis 1994 Stilllegung aller Anlagen in den drei Werksteilen mit Ausnahme der Kernanlage zur Hartparaffinproduktion sowie der Bitumenblasanlagen 4 und 5.

Die Arbeitskräftezahl verringert sich von ca. 1150 auf 100.

1991   Im September wird eine Blasgasverbrennungsanlage in Betrieb genommen.

1993   Gründung einer Sanierungsgesellschaft  in Regie der Paraffinwerk Webau GmbH

1993 bis 1996 Vorbereitungsarbeiten zum Vorhaben PARAK (Paraffine aus Kunststoff)

1994   Die Baufeld- Gruppe München übernimmt die Paraffinwerk Webau GmbH zum 01.07.

1997   Am 02.07. wird die PARAK- Anlage offiziell in Betrieb genommen. (Stilllegung nach
           einem Brand am 16.03.2000)

2000   Zum 04.01. wird die Gesellschaft Mitteldeutsche Bitumenwerk GmbH gegründet

2000 bis 2004 Sanierung der Altlasten an den ehemaligen Werksstandorte         Webau,Gerstewitz und Köpsen. 

2002   Zum 31.05. Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Paraffinwerk Webau GmbH. Am 01.08. übernimmt die Gesellschaft Mitteldeutsche Bitumenwerk GmbH im Rahmen eines Managements Buy-Out alles materielle und immaterielle Vermögen der Paraffinwerk Webau GmbH.

             Die Gesellschaft Mitteldeutsche Bitumenwerk GmbH nimmt am 01.11. am Standort
            Gerstewitz die Produktion auf.

2005   Im Oktober erfolgt die Inbetriebnahme der Bitumenblasanlage „Biturox“.

Bereits im Jahr 2012 konnte die Gesellschaft Mitteldeutsches Bitumenwerk GmbH auf 10 Jahre aktive Tätigkeit zurückblicken.

Zusammengestellt mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung durch den Autor des Artikels „Zur Geschichte des Paraffinwerkes Webau“, Günter Kurtze, veröffentlicht in „Merseburger Beiträge zur Geschichte der chemischen Industrie Mitteldeutschland“, Nr. 1/2007.

Karl-Heinz Schmidt im Oktober 2015

 

Besucher Nummer: 2237085 (seit 29.08.2005)