Wolfen

Farbenfabrik 1920
Farbenfabrik AZO Ost
Salpetersäureanlage

1895 Erster Spatenstich für die Farbenfabrik der Agfa in Greppin zur Herstellung von Azo- und Anilin-Farben (1896 Inbetriebnahme).

1897 Erste Versuche zur Chloralkalielektrolyse nach dem Aussiger Glockenverfahren.

1897 Azo I - Herstellung von einfachen Baumwoll- und Wollfarbstoffen.

1899 Rubin- und Blaufabrik.

1900 Errichtung einer 2. Azo-Farbstoff-Fabrik (schwarze Wollfarbstoffe und Schwefelfarben für Baumwolle).

1903 Beginn der Fabrikation von Baumwollfarbstoffen und Chromechtfarbstoffen (Azo III).

1904 Die aufblühende Farbstoffindustrie in Wolfen benötigt Schwefelsäure und die Genehmigung zur Produktion nach dem Kontaktverfahren wird erteilt.

1906 Säurefarbstoffproduktion für Wolle (Violettfabrik).

1908 Beginn der Salpetersäureproduktion auf Basis Chilesalpeter und 1915 Bau einer Salpetersäurefabrik auf Basis von Ammoniak.

1910 Errichtung der Filmfabrik in Wolfen durch die Agfa (1909 Grundsteinlegung).

1911 Die Produktion von Pflanzenschutzmitteln hat auf Grund der relativ breiten Produktpalette von Grundchemikalien und Zwischenprodukten in Bitterfeld/Wolfen eine große Tradition. In der Farbenfabrik Wolfen wird das erste Pflanzenschutzmittel auf Basis von Dichlorbenzol patentrechtlich geschützt.

1911 Aufnahme der Produktion durch die Azo IV-Fabrik (Wollfarbstoffe).

1914 Erste Fabrikationsanlage für Nitroazetat für die Flimproduktion in der Farbenfabrik.

1914 Mit Beginn des Krieges wird auch bei Agfa wie in Bitterfeld auf Produkte der Kriegsproduktion umgestellt, Anlagen zur Herstellung von Salpetersäure werden errichtet und während des Krieges die Produktion verdoppelt. In der Filmfabrik werden Fliegerfilme und Klarscheiben für Gasmasken hergestellt.

1916 Die erste Ofenhalle nimmt im April die Produktion von Aluminium auf. Dem folgten im Jahre 1929 die Ofenhalle 2 und 1935 die Ofenhalle 3 und 4.

1916 Aufnahme der Silbernitratproduktion in der Farbenfabrik Wolfen.

1918 Übergabe des Azofarbstoffbetriebes "Azo Ost" (bis heute bedeutendster Farbstoffbetrieb).

1919 Betrieb Azo III wird geschlossen. Die Produktion wird auf Stickstoffdünger umgestellt.

1921 In der Filmfabrik wird der erste Röntgenfilm (vorher Anwendung von Röntgenplatten) produziert.

1922 Entwicklung und Inbetriebnahme der Kunstseidenproduktion nach dem Viskoseverfahren.

1925 Produktion von 16-mm Amateurfilmen beginnt und damit die Aufgabenstellung, die Feinkörnigkeit und die Sensibilisatoren zu verbessern. Ende der zwanziger Jahre wird im Rahmen von Verbesserungen auf Acetylzellulose als Filmmaterial übergegangen. Gezielte Forschungsarbeiten führen zu Weltspitzenerzeugnissen bei Amateur- und Rollfilmen.

1925 Mit dem Zusammenschluß der 6 größten deutschen Farbenfabriken zur I. G. Farbenindustrie AG erfolgt eine Umstrukturierung der Produktion in den Betrieben.

1932 Die Stickstoffbetriebe von Bitterfeld und Wolfen werden vereinigt und die Produktion stetig gesteigert (1/3 der Weltproduktion kam 1940 aus Deutschland und davon ca. 20 % aus Bitterfeld und Wolfen).

1934 Die in der Filmfabrik Wolfen entwickelte und produzierte "Pe-Ce"-Faser ist die erste synthetische Faser der Welt. Der Faserrohstoff (PVC) kommt aus Bitterfeld.

1936 Erstmalig in der Welt wird ein 3-Schichten-Farbfilm auf Basis diffusionsfester Farbkuppler vorgestellt. Das Verfahren wird im Prinzip heute noch für die Herstellung moderner Farbfilme genutzt. Agfacolorfilme sind in der Kriegsvorbereitung aber auch während des Krieges vor allem für die Luftwaffe von besonderer Bedeutung.

1936 Die Zellwolle-Produktion in Wolfen wird in Betrieb genommen.

1936 Ein Sortiment von Ionenaustauschern von stark und schwach sauren bis mittel und schwach basischen für die Wasserreinigung sowie Adsorber- und Spezialharze auf Kondensationsbasis wird entwickelt.

1938 Unter dem Namen "Wofatit" kommen die ersten Kunstharzionenaustauscher zur Wasserreinigung und anderer industrieller Anwendungsgebiete auf den Markt. Eine Vollentsalzung und die Herstellung von Wasser mit hohem Reinheitsgrad werden möglich.

1940 Folien-, Faser- und Kunstseidenproduktion werden in den Dienst der Produktion von Kriegsmaterialien gestellt.

1940 Durch die breite Palette der Rohstoffe und Zwischenprodukte sind in der Farbenfabrik Wolfen die Voraussetzungen gegeben, andere Produktionszweige, wie z. B. Pharmazeutika, Pflanzenschutzmittel, Farbfilmkomponenten, Riechstoffe zu entwickeln.

1941 Der erste große farbige Spielfilm auf Colornegativfilm aus Wolfen hat Premiere: "Frauen sind doch bessere Diplomaten".

1945 Nach dem Ende des Krieges ist es das Anliegen der SMAD die Produktion in der Filmfabrik und auch die Faserproduktion schnell wieder in Gang zu bringen. Probleme dabei sind vor allem die Beschaffung der Rohstoffe.

1945 Trotz erheblicher Zerstörungen in der Farbenfabrik bestimmt die sowjetische Werkleitung die Aufnahme der Produktion von Magnetit in Azo M im Juli 1945.

1946 Es erfolgt der Wiederaufbau der demontierten Anlagen zur Aluminiumverarbeitung, da sich das Verbot der Erzeugung nur auf Hüttenaluminium bezieht.

1946 Die Gipsschwefelsäurefabrik und die Sticksoffbetriebe werden demontiert sowie einige Teilbetriebe der Farbenfabrik.

1946 Die Filmfabrik geht als Reparationsleistung in das Eigentum der Sowjetunion über und durchläuft 2 Demontagewellen. Das Weiterbetreiben der Filmfabrik gestaltet sich auf Grund der fehlenden Ausrüstungen und Rohstoffe (auch infolge der Spaltungsbestrebungen und einer großen Arbeitsteilung innerhalb des früheren IG-Farben Konzerns) problematisch.

1947 Durch die Spaltung Deutschlands wird es in Wolfen notwendig, sich auf den vielfältigen Bedarf der Textil-, Leder- und Papierindustrie einzustellen und neue Farbstoffsortimente und neue Anlagen zu errichten bzw. neu aufzubauen. Wolfen hat als einziger Farbenhersteller in der sowjetischen Besatzungszone das gesamte Farbensortiment zur Verfügung zu stellen. In Azo-Ost werden mit großer Anstrengung Buntfarbstoffe, Metachrom- und Sudanfarbstoffe sowie Schwefelfarbstoffe produziert. Die Farbenfabrik geht in das Eigentum der UdSSR über.

1948 Auf Veranlassung der sowjetischen Militäradministration wird in die bauliche Hülle der demontierten Anlage eine neue Gipsschwefelsäureanlage mit Zement- und Schwefelsäurefabrik errichtet und geht 1953 in Betrieb.

Die Stickstoffproduktion wird unter größten Anstrengungen wieder in Betrieb genommen, denn der Bedarf an Kalkammonsalpeter zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung ist groß.

1949 In der Filmfabrik ist die Produktion wertmäßig wieder auf dem Niveau vor dem Krieg

1951 Der Bedarf an Dederon-Seide (für die Reifenindustrie, für Schnüre, Borsten und Drähte, für Dederonstrümpfe) führt zur Inbetriebnahme einer neuen Dederonfabrik.

1951 Weltspitzenleistung bei Agfa-Color-Filmen erzielt und verdeutlicht die Filmfabrik mit dem Film das "Kalte Herz" durch die DEFA.

1954 Die ständige Verbesserung der Colorfilme führt zur Vorstellung eines Color-Negativfilms mit vierfach verbesserten Farbwiedergabe zur Leipziger Messe.

1955 In den fünfziger Jahren werden in der Farbenfabrik eine Betaaminophenol-, eine Schwefelbunt- und eine Farbfilmkomponentenfabrik errichtet.

1955 Die Zukunft der Zellstofffabrik wird gesichert durch die Entwicklung eines Fichte-Nitrat-Zellstoffes für die Erzeugung von Hygieneartikeln.

1955 Die Filmfabrik hatte in Zusammenarbeit mit dem Kunstseidenwerk Premnitz eine neue Faser (Wolpryla) entwickelt und produziert sie auch selbst.

1955 Die beiden Stickstoffbetriebe in Bitterfeld und Wolfen produzieren zusammen 370 kt Salpetersäure und Kalkammonsalpeter.

Farbenfabrik 1970
ORWO-Werbung
Werk Nord
Wofatitfabrik

1958 Mit dem Chemieprogramm der DDR werden für die Erweiterung der Chemiefaserproduktion und der Farbfilmproduktion hohe Ziele gestellt. Es erfolgt jedoch auch eine Konzentration auf die Fabrikation von Bild- und Datenmaterial und eine suggsessive Ausgliederung der Chemiefaserproduktion, der Zellstoffproduktion aus der Filmfabrik. Im Rahmen des Chemieprogrammes wird in der Farbenfabrik auf die Steigerung der Produktion von Düngemitteln, Schädlingsbekämpfungsmitteln, pharmazeutischen Produkten und Farbstoffen besonderer Wert gelegt.

1964 Umstellung des Warenzeichens von Agfa auf ORWO (ORiginal WOlfen) und Weglassen des Namens Agfa in der Betriebsbezeichnung, da die Agfa Leverkusen die Rechtsnachfolge aus dem IG Farben Konzern ableitet. Das Sotiment umfasst Foto- und Kinofilme, Reprografie- und Röntgenfilme, technische Filme und Platten.

1969 Eingliederung der Farbenfabrik zum VEB Chemiekombinat Bitterfeld

1972 Inbetriebnahme einer Magnetbandfabrik in Dessau als Betriebsteil von ORWO Wolfen. Damit wird an eine Tradition angeknüpft. Die Herstellung von Acetylcellulose bei IG Farben (auch in Wolfen) war Ausgangspunkt des ersten Magnetophons der AEG.

1990 Ganze Farbstoffgruppen und einzelne Farbstoffe fallen aus dem Produktions-sortiment der Chemie AG Bitterfeld aus ökologischen und ökonomischen Gründen heraus.

1990 Zur Wende hat die Filmfabrik ca. 15.000 Beschäftigte und exportiert in über 75 Länder. Ausgründung verschiedener Bereiche als kleinere eigenständige Unternehmen und Neuansiedlung.

1997 Bau des ORWO-Fotogroßlabors als eines der modernsten in Europa.

1999 Gründung der ORWO Media GmbH (Fotogroßlabor und Filmkonfektionierung)

2003 ORWO Net GmbH führt die analogen und digitalen Fotodienstleistungen im Fotogroßlabor durch Übernahme von PixelNet und ORWO direkt weiter.

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