03.06.2026 17:00 Uhr Walter Bauer im DChM

Sonderveranstaltung zum Walter-Bauer-Gedenkjahr  2026 mit Jürgen Jankofsky

am Mittwoch, den  03.06.2026 17:00 Uhr  im Deutschen Chemie-Museum (an der Umlaufpumpe)

-----------------------------------------

  Walter Bauer (geboren 1904 in Merseburg, gestorben 1976 in Toronto) gilt als ein bedeutender deutschsprachiger Autor des 20. Jahrhunderts, doch geriet aufgrund widriger Zeitläufte nahezu in Vergessenheit. 1930 wurde er durch sein Buch „Stimme aus dem Leunawerk“, erschienen im renommierten Berliner Malik-Verlag, zum shooting star der deutschen Literatur. Tucholsky, Hesse, Werfel lobten in höchsten Tönen, Stefan Zweig wurde zum Freund. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Walter Bauer nicht in seine mitteldeutsche Heimat zurück, wurde in Westdeutschland einer der erfolgreichsten Hörspielautoren, wirkte als Schatzmeister des deutschen PEN und war Mitglied der Akademie der Deutsche Sprache und Dichtung. Enttäuscht nicht zuletzt von Restaurationsbestrebungen wanderte er jedoch 1952 nach Kanada aus, wo er allerdings weiter auf Deutsch schrieb, und so in seiner Wahlheimat kaum bekannt wurde. In der BRD wie in der DDR (wo er so gut wie nicht gedruckt wurde) fiel er zunehmend dem Vergessen anheim, obwohl sein Œuvre mehr als 90 Bücher umfasst, dazu zahlreiche Hörspiele, Essays, Artikel.

Erst mit der Wende setzten Bestrebungen ein, Walter Bauer wieder als den wichtigen Autor ins Gespräch zu bringen, der er war. So wurden in Merseburg wie Leuna Straßen nach ihm benannt, ebenso die Merseburger Stadtbibliothek (in der es nunmehr auch ein Walter-Bauer-Archiv gibt). Die Städte Merseburg und Leuna vergeben seit 1994 aller zwei Jahre den Walter-Bauer-Preis, die Infra Leuna seit 2020 ein Walter-Bauer-Stipendium. Die Leiste der Preisträger liest sich mittlerweile wie ein Who is Who (ost)deutscher Literatur: Wilhelm Bartsch, Daniela Danz, Peter Gosse, Kerstin Hensel, Wolfgang Hilbig, Wulf Kirsten, Thomas Kunst, André Schinkel, Eva Strittmatter… Im Mitteldeutschen Verlag erscheint seit 2016 eine Walter-Bauer-Reihe.

Um auf Walter Bauers Bedeutung für die deutsche Literatur und nicht zuletzt für seine mitteldeutsche Heimat intensiver und zielgerichteter hinzuweisen, wurde durch Walter Bauers Nachlassverwalter Jürgen Jankofsky ein Walter-Bauer-Gedächtnisjahr initiiert und organisiert, das nun zahlreichen Partnern getragen wird, allem von den Städten Merseburg und Leuna, dem Saalekreis und dem Land Sachsen-Anhalt.

Fast 50 Veranstaltungen finden nicht nur in Merseburg und Leuna, sondern auch in weiteren Städten Sachsen-Anhalts, so im Gleimhaus Halberstadt, in der Goitzsche-Galerie Bitterfeld oder bei der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen, sowie in Leipzig, Bayern und Nordrhein-Westfalen, Georgien, Kärnten und Wien statt. Das Walter-Bauer-Gedächtnisjahr wird einen wichtigen Beitrag zur literarischen Erbepflege des Landes Sachsen-Anhalt leisten, insbesondere bei der Aufarbeitung der hier bislang kaum aufgearbeiteten Literatur des 20. Jahrhunderts, und dient somit dem Image des Landes.

Als Schirmherr des Walter-Bauer-Gedenkjahres fungiert der Kulturminister Sachsen-Anhalts Rainer Robra.

Am 3. Juni 2026, 17.00 Uhr, stellt Jürgen Jankofsky im Deutschen Chemiemuseum seine anlässlich des Walter-Bauer-Jahres herausgegebene Doppel-CD „Schriftsteller zieht ein reines Hemd an“ vor. Zu hören darauf ist vor allem die Stimme Walter Bauers, aufgenommen bei Lesungen und Interviews in den 1950er und 1960er Jahren. Zudem lasen Peer-Uwe Teska und Paul Bartsch für die CD einige Bauer-Texte ein. Jürgen Jankofsky steuerte Kompositionen und spezielle Arrangements bei. Die Label gestaltete Klaus-Dieter Urban, das Cover und das Begleitheft Heiko Fiedler.