Wittenberg/Piesteritz

Baubegin 1915

1915 Das Reichsschatzamt erteilt im Frühjahr den Bayerischen Stickstoffwerken den Auftrag zur Errichtung des Stickstoffwerkes Piesteritz. Der erste Karbidabstich erfolgt am 24. Dezember.

1916 Die Produktionsaufnahme von Kalkstickstoff erfolgt im Januar und nach Inbetriebnahme von acht Karbidöfen, einer Linde-Anlage und verschiedener Hilfsbetriebe werden 12.872 t N-Kalkstickstoff erzeugt. Im Sommer ist Baubeginn für die sog. chemischen Betriebe zur Ammoniakgewinnung und Weiterverarbeitung.

1917 Die nach dem Ostwald?schen Verfahren produzierte Salpetersäure wird zu Ammonnitrat und Natriumnitrat weiterverarbeitet. Die Produktionskapazitäten für Salpetersäure werden in der zweiten Ausbaustufe durch neue Verbrennungselemente erweitert.

1918 Die Erzeugnispalette besteht aus Karbid, Kalkstickstoff, Stickstoff, Ammoniak, Strohkraftfutter, Salpetersäure, Ammonnitrat und Kunstsalpeter.

1919 Die Erzeugnispalette wird um Ammonsulfat, Mischdünger, Rauchgas und Stickstoff aus der Frank-Caro-Anlage erweitert. An der Elbe wird eine Anlage zur Entladung weiterer Rohstoffe bzw. zum Abtransport der Fertigprodukte gebaut.

Werk ca. 1920

1920 Die Reichsstickstoffwerke werden privatisiert und firmieren unter Mitteldeutsche Stickstoffwerke AG Piesteritz. Die Erzeugnispalette wird um Kaliammonsalpeter und geringe Mengen hochkonzentrierter Salpetersäure erweitert.

1923 Zwischen der Mitteldeutsche Stickstoffwerke AG und dem Ammo- niakwerk Merseburg wird ein 3-Jahresvertrag geschlossen. Die Piesteritzer Anlagen zur Umwandlung von Ammoniak in chemische Erzeugnisse aller Art werden durch das Ammonikwerk Merseburg genutzt.

1924 Der Farbsalzbetrieb nimmt die Produktion auf.

1925 Das Karbidofenhaus Süd wird für den Bau des Phosphorbetriebes geräumt.

Phosphoranlage 1926

1926 Die Mitteldeutsche Stickstoffwerke AG (MSTW) wird an die Bayerischen Stickstoffwerke AG (BSTW) verpachtet. Vier Karbidöfen werden abgebrochen und das Phosphorofenhaus entsteht. An der Elbe wird ein Hafen errichtet.

1927 Das damals weltweit größte Phosphorofenhaus wird in Betrieb genommen. In den Monaten Juli bis Ende November folgt die Inbetriebnahme der vier Phosphoröfen und damit die erste großtechnische Produktion thermischer Phosphorsäure überhaupt, nach dem sog. I.G.-Verfahren. Im Dezember erfolgt die Inbetriebnahme der Anlage zur Herstellung von Diammonphosphat.

1928 Die Produktion von Mischdünger unter dem Handelsnamen Nitrophoska wird aufgenommen. Die Elbe wird im Zusammenhang mit dem Hafenbau ausgebaggert.

1929 Eine 2. Lindeanlage wird gebaut.

1932 Der erste Karbid-Großofen mit 40.000 kVA Trafoleistung geht in Betrieb. Prof. Nikodem Caro legt seine Vorstandsämter nieder.

1933 Verschmelzung der Bayerischen Stickstoffwerke mit Piesteritz, der Bielefelder Sackfabrik GmbH und der Harzkalkwerke GmbH.

1934 Inbetriebnahme einer neuen Perlkalkstickstoff-Anlage und Stilllegung der Natronsalpeteranlage aus wirtschaftlichen Gründen.

1935 Der erste Karbidofen mit einem neuen Kühlverfahren wird in Betrieb genommen. Beginn der Versuche zur Herstellung von Acetylenruß.

1936 Beginn der Rußproduktion und Bau einer Großanlage zur Produktion von hochkonzentrierter Salpetersäure mit einem in Piesteritz entwickelten Verfahren.

1937 Inbetriebnahme des Karbidofens 10 mit moderner Technologie (Söderberg-Elektroden, Trommelabstich), der Prototyp für das Bunawerk in Schkopau wird.

1939 Die Betriebsgemeinschaft mit de Bayerische Kraftwerke AG wird aufgelöst. Mit Kriegsbeginn wird die Nitrophoskaproduktion eingestellt und nach Besserung der Phosphatlage 1940 wieder aufgenommen. Aufbau und Inbetriebnahme der 2. Rußanlage sowie Errichtung von Anlagen zur Herstellung von Dicyandiamid und Guanidinnitrat.

1941 Bau einer weiteren Anlage zur Produktion von hochkonzentrierter Salpetersäure.

1942 Inbetriebnahme von zwei weiteren Rußanlagen. Nach Stilllegung und Umbau der Nitrophoskaanlage wird in der umgebauten Anlage Ammomsalpeter A 1 hergestellt. Rückgang der Produktion von Perlkalkstickstoff und Kalkstickstoff um 50 % und Großversand von Karbid für die Bunawerke.

1944 Aufnahme der Produktion von Aceton, Cupren und Perlcarbon. Die Produktion von Ruß hat sich gegenüber 1941 fast verdreifacht.

1945 Beim Luftangriff vom 20. April auf den Bahnhof Piesteritz explodieren zwei abgestellte Toluolkesselwagen und richten im Werk erheblichen Schaden an. Das Karbidofenhaus wird stillgelegt. Am 27. April wird das Werk an die Rote Armee übergeben. Anfang Mai beginnen die Aufräumungsarbeiten und Mitte Mai wird der Karbidofen 5 und die Lindeanlage wieder angefahren. Wiederbeginn der Kalkstickstofferzeugung im August. Die Produktion von Aktivkohle, pharmazeutischen Artikeln und Reinigungsmitteln wird im September aufgenommen. Ende des Jahres Demontage wichtiger Anlagen, u. a. des Karbidofens 10, der beiden Phosphoröfen, der Salpetersäureanlage und eines Teils der Luftzerlegungsanlage.

1946 Das Werk wird SAG-Betrieb, die Rußanlage geht wieder in Betrieb und es erfolgt wieder die Auslieferung von Düngemitteln.

1947 Beginn des Aufbaus der Lackharzanlage. Hergestellt werden u. a. Leim für Holz und Papier, Backpulver, Gartendünger, Kristallsoda, Aceton, Isopropylalkohol, Pressmasse, Haarwasser und Nagellackentferner, Pressteile und Edelputz.

1948 Aufnahme der Produktion von Siliciumcarbid, Harnstoff und Piatherm.

1949 Mit dem Bezug von Phosphor aus Bitterfeld wird die Erzeugung von chemisch reiner Phosphorsäure aufgenommen.

1950 Um den steigenden Ansprüchen der Lackindustrie entgegenzukommen, erfolgt die Umstellung von Methanol- auf Butanolharz. Erstmalige Erzeugung von grünem Siliciumcarbid und Inbetriebnahme einer Anlage für Guanidincarbonat.

1951 Erster nach dem Krieg neuerbauter Phosphorofen geht nach neunmonatiger Bauzeit in Betrieb, Herstellung von Pressplatten aus Piathermabfällen sowie Errichtung der Melaminanlage.

1953 Ende des Jahres Übergang des Werkes vom SAG-Betrieb zum VEB Stickstoffwerk Piesteritz. Die Acetophen-Rezeptur wird den modernen pharmakologischen Anforderungen entsprechend umgestellt und die Melaminproduktion erweitert.

1954 Inbetriebnahme einer Anlage für dentalen Kunststoff und einer neuen, modernen Tablettiermaschine für die Herstellung von Acetophen.

1955 Herstellung sog. Massenbedarfsartikel wie Backformen, Kuchen- und Ofenbleche aus Abfällen der Karbid-Trommelfabrik.

1956 Bildung der anwendungstechnischen Abteilung und Fertigstellung eines Erweiterungsbaues der Betriebsberufsschule.

1958 Inbetriebnahme der neuen Produktionsanlage für Acrylglas.

1960 Mit Inbetriebnahme des Phosphorofens 2 wurde die Produktion von elementarem Phosphor gegenüber 1953 verdreifacht. Aufbau einer Anlage zur Produktion des NPK-Düngers Pikaphos und der Phosphorsäuresalz-Anlage sowie Inbetriebnahme der Meladur-Pressmasse-Anlage.

Bau des Harnstoffwerks
Montage des Ammoniakreaktors

1961 Erste Produktion der Salpetersäureanlage und der Pikaphosanlage.

1962 Aufbau des Industriekraftwerkes und Produktionsaufnahme der neuen Phosphorsäuresalz-Anlage.

1963 Inbetriebnahme der neuen Karbidsortieranlage mit Trommelfabrik sowie der Granulieranlage zur Herstellung von ofengerechtem Apatit-Agglomerat für die Phosphorproduktion.

1964 Beginn der Produktion von Seltenen Erden, zwei neue SiC-Öfen gehen in Betrieb.

1965 Produktionsbeginn eines Ölverbesserers für den Einsatz in der Mineralölwirtschaft in einer kurzfristig erbauten Pilotanlage.

1967 Produktionsaufnahme von Blumensteckmasse.

1968 Unterzeichnung eines Abkommens über die Lieferung von Erdgas aus der UdSSR. Im November erfolgt der erste Abstich am neuen Karbidrundofen.

1969 Einführung des zum Patent angemeldeten modifizierten Piesteritzer Drehrohrofen-Rückgut-Verfahrens zur Herstellung von Natriumtripolyphosphat.

1970 Produktionsaufnahme von Piasol und Grundsteinlegung für das Nordwerk im Oktober.

1971 Aufnahme des Dauerbetriebes der Grahamschen Salz-Anlage.

1972 Das Konsumgüterprogramm wird um NPK-Komplexdünger erweitert und zur Konfektionierung die Kleinkonfektionierungsanlage Griebo errichtet und in Betrieb genommen.

1973 Dauerbetrieb der 110 kV-Anlage des neu errichteten Umspannwerkes Piesteritz als Voraussetzung für die weitere Umstellung des gesamten Werkes auf die neue 110 kV-Einspeisung vom Kraftwerk Vockerode. Offizielle Übergabe der ca. 5.000 km langen Erdgasleitung von Tjumen nach Wittenberg. Dauerbetrieb der Anlage zur Produktion von hochkonzentrierter Salpetersäure (HOKO) und Produktionsaufnahme des Waschhilfsmittels Piador.

1974 Bei der Herstellung von Ammoniak auf der Basis von Erdgas wird in den Anlagen das KELLOGG-Verfahren genutzt. Die Ammoniakanlage 1 nimmt im März den Dauerbetrieb auf.

1975 Beginn des Dauerbetriebes der Ammoniakanlage 2 und der Harnstoffanlage 1. Produktionsaufnahme von rieselfähigem Trinatriumphosphat.

1976 Aufnahme des Dauerbetriebes der Harnstoffanlagen 2 und 3. Der auf Basis Phosphorschlamm arbeitende Prozess wurde in den Stickstoffwerken entwickelt und durch mehrere Patente geschützt.

1979 Produktionsaufnahme von Allantoin zur Verwendung in der Wirkstoffkosmetik, zur Herstellung von Körperpflegemitteln und in der Pharmazeutik. Gründung des VEB Kombinat Agrochemie Piesteritz.

1982 Inbetriebnahme der Gaswaschwasserreinigungsanlage und der Schlammdeponie, damit gehen die Schlammabwasser des Karbidbetriebes und der Cy-De-Anlage nicht mehr in die Elbe.

1984 Aufnahme der Produktion von Pia 60, gekörnt.

1986 Inbetriebnahme der AHL-Verladung im Hafen. Explosion eines Hafensilos, wobei ein hoher Sachschaden entsteht.

Carbidabstich 1987
Harnstofflager
SKW Stickstoffwerke Piesteritz

1987 Als Neuheit werden Schmelzkäsesalze vorgestellt, die vorwiegend bei der Herstellung von schnittfestem Schmelzkäse verwendet werden. Beginn der Modernisierung der Ammoniakanlagen.

1989 Übergabe der modernisierten Ammoniakanlage 2. Erstes Umweltforum der Werksangehörigen in der Nordküche. Erstmalige Veröffentlichung von Umweltdaten in der Betriebszeitung und der erste "runde Tisch" tagt im Betrieb Anfang Dezember.

1990 Einstellung der Produktion von O-Glas, Methylacrylsäuremethylester und Spritzgussmasse. Umwandlung des VEB Agrochemie Piesteritz in die Stickstoffwerke AG Wittenberg-Piesteritz. Stilllegung eines der beiden Phosphoröfen aus betriebswirtschaftlichen und ökologischen Gründen. Konstituierende Sitzung des Aufsichtsrates und Bestellung des Vorstandes. Einstellung der seit Juni 1990 ohnehin schon ruhenden Produktion von Siliciumkarbid. Endgültige Abschaltung des zweiten Phosphorofens. Beginn der Sanierungs- und Demontagearbeiten im Phosphorbereich.

1991 Gründung einer Strukturförderungsgesellschaft (SFW) und Beratung durch die Treuhand-Anstalt (ThA) über die weitere Zukunft des Unternehmens. Einweihung des Betriebes SKW/Baustoffe in der ehemaligen O-Glas-Anlage. Unterzeichnung des Vertrages zur Bildung der Messer Griesheim Piesteritz GmbH, offizieller Auftakt zum weitgehenden Abbruch des Südwerkes.

1992 Pressekonferenz der ThA im Stickstoffwerk zur Privatisierung des Unternehmens und Bereitstellung von Mitteln für Umweltvorhaben. Einstellung der Produktion von Farbsalzen. Verkaufsverhandlungen der ThA mit der Viag-Tochter SKW Trostberg AG. Inbetriebnahme der Harnstoffverladung im werkseigenen Elbehafen.

1993 Gründung der SKW STICKSTOFFWERKE PIESTERITZ GMBH im Februar und vollständige Aufnahme der Geschäftstätigkeit im Juni. Beginn eines großangelegten Sanierungskonzeptes des gesamten Werkes.

1994 Pressekonferenz der ThA zur erfolgreichen Privatisierung der Stickstoffwerke. Sämtliche Ammoniak- und Harnstoffanlagen sind in Betrieb. Einweihung des Klärwerkes.

1995 Übernahme der Geschäftsanteile der Agrochemie-Handelsgesellschaft mbH Berlin. Übergabe des neuen Laborgebäudes und Beginn des Probebetriebes der Harnstoff-Granulierung. Zulassung von Methylpyrazol/DCD als Nitrifikationsinhibitor.

1997 Grundsteinlegung zum Bau einer zweiten Harnstoff-Granulieranlage, einer neuen Salpetersäure-Anlage sowie Inbetriebnahme der neuen Lackharzanlage.

1998 Inbetriebnahme der neuen Salpetersäure-Anlage und einer Harnstoff-Mischgranulierung.

2000 Inbetriebnahme einer Anlage zur Herstellung des Flüssigdüngers PIASAN ® 24-S.

2001 Eine neue Absackstrecke für granulierte Mineraldünger wird in Betrieb genommen. Für den weiteren Ausbau der Flüssigdüngerkapazitäten wird ein Tank mit 8.000 Kubikmeter Fassungsvermögen errichtet. Zum Bau eines neuen Melaminwerkes wird die Joint Venture-Gesellschaft Agrolinz Melamin Deutschland GmbH gegründet.

2002 Gesellschafterwechsel der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH. Im Juni übernimmt das schweizerische Handelshaus Ameropa-Holding AG und die tschechische Gruppe Agrofert Holding a.s. mit 51 Prozent die Mehrheit der Gesellschaftsanteile und damit auch die unternehmerische Führung. Im Oktober erfolgt die Grundsteinlegung zum Bau des neuen Melaminwerkes der Agrolinz Melamin Deutschland GmbH auf dem Gelände der SKW Piesteritz.

2004 SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH ist mit derzeit 600 Mitarbeitern größter Ammoniakproduzent Europas. Zum Produktsortiment gehört eine breite Palette von Spezialitäten der Agro- und Industriechemie sowie Grundchemikalien wie Harnstoff und Salpetersäure. In die modernen Anlagen des größten gewerblichen Unternehmens der Region Wittenberg wurden seit Unternehmensgründung über 100 Millionen Euro investiert.

 

Besucher Nummer: 2297407 (seit 29.08.2005)